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Forschung

Forschung

Die Medizin ist eine Erfahrungswissenschaft und ohne wissenschaftliche Forschung nicht denkbar. Im Institut für Gender Medizin werden daher alle Gesundheitsfragen, welche zu einer Verlängerung

Forschungsfelder

- Prävention
- Akutmedizin
- Rehabilitation
- Pflege

der gesunden Lebensjahre und der Lebensqualität unter besonderer Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten im Sinne einer individualisieren Medizin erforscht.

Studien

Unser Team untersuchte mit dieser wissenschaftlichen Studie die Wechselwirkungen zwischen Stress und Stoffwechsel während einer Gewichtsreduktion. Ziel war auf die Frau zugeschnittene Maßnahmen und Programme zur nachhaltigen Gewichtsabnahme. Dazu untersuchten wir die Zusammenhänge von Stoffwechselparametern wie die Insulinresistenz, Körperzusammensetzung oder die wichtigsten Blutwerte mit dem subjektiven Stressempfinden und ihrer Darmflora vor und nach der Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung.

Der Studienablauf war so angelegt, dass die medizinischen Untersuchungen einmal am ersten Tag des Aufenthaltes und ein zweites Mal am letzten Tag des Aufenthaltes stattgefunden haben. Zusätzlich nahm – zufällig ausgewählt – die Hälfte aller Teilnehmerinnen an einem Stressbewältigungsprogramm teil, das aus Lebensstilberatung, Entspannungseinheiten und Biofeedbacktraining bestand. Am Ende erhielten die Teilnehmerinnen von unserem Studienteam ein ausführliches, individuelles Rückmeldegespräch zu den Ergebnissen sowie Empfehlungen für zu Hause.

Die Ergebnisse der Studie finden Sie hier:

Riffer F, Sprung M, Münch H, Kaiser E, Streibl L, Heneis K, Kautzky-Willer A. Relationship between psychological stress and metabolism in morbidly obese individuals. Wien Klin Wochenschr. 2019. doi: 10.1007/s00508-019-01583-y.


Die vorliegende Studie untersuchte die Beziehung zwischen psychischer Belastung, gesundheitsbezogener Lebensqualität (HRQL), Essverhalten, negativen Emotionen und Body Mass Index (BMI), Körperzusammensetzung und biomedizinischen Stoffwechsel-Parametern bei 123 Erwachsenen (94 Frauen) krankhaft fettleibigen (morbid adipösen) Personen. Die Studie hebt die Beziehung zwischen HRQL im physischen Bereich und Stoffwechsel hervor. Die Implikationen dieser Befunde für die Behandlung des Gewichtsverlusts werden diskutiert, wobei HRQL als wichtiges Behandlungsziel und die Notwendigkeit einer langfristigen psychologischen Überwachung hervorgehoben werden: Interessanterweise wurde - im Gegensatz zu anderen Beobachtungen Adipöser - in diesem Kollektiv keine signifikante Beziehung zwischen psychischer Belastung und BMI, Körperzusammensetzung oder metabolischen Parametern gefunden. Es gab jedoch eine starke und robuste Assoziation zwischen HRQL im physischen Bereich und dem BMI, der Körperzusammensetzung und verschiedenen biomedizinischen Parametern des Zucker- und Fettstoffwechsels. Die Ergebnisse zeigten auch eine interessante Dissoziation in der Beziehung zwischen BMI und HRQL im physischen und psychologischen Bereich. Für eine Beziehung zwischen Essverhalten (z. B. Zurückhaltung/Restriktion) oder negativen Emotionen (z. B. Wut) und BMI, Körperzusammensetzung und Stoffwechselparametern wurden nur wenige Hinweise gefunden. Es gab jedoch einen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Essensbeschränkung mit einem stärkeren Effekt bei Frauen. Andere häufig beobachtete geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf BMI, Körperzusammensetzung, Fettstoffwechsel und Leberwerte wurden auch in dieser Stichprobe krankhaft fettleibiger Personen bestätigt. Diese Daten weisen darauf hin, dass bei - diesem Kollektiv entsprechenden - PatientInnen, medizinisch vermehrt auf physische Probleme, vor allem auf Stoffwechselparameter, geachtet werden muss und andererseits auch psychische Komobiditäten und eine potentielle psychiatrische Medikation berücksichtigt werden soll.

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00508-019-01583-y 

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer
Leiterin des Instituts für Gender Medizin

Dr. med. univ. Sabine Fröhlich
Ärztliche Leiterin im la pura

Prävention

„Das Zusammenspiel von Stress und Stoffwechsel“, mehrere parallel laufende Studien unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer

Die Studien  werden den Zusammenhang von Stress und Stoffwechsel erforschen und unterschiedliche Ansätze und Therapien auf ihre Wirksamkeit auf Gesundheitserhaltung und Wiedererlangung der Gesundheit bzw. der Arbeitsfähigkeit prüfen. Dazu werden von gesunden Personen verschiedenster Settings, von Hochrisikogruppen für Stoffwechselstörungen sowie von Patientinnen und Patienten mit manifesten Stoffwechselstörungen oder Gewichtsproblemen Daten zum Stoffwechsel, zum Herz-Kreislauf-System etc. erhoben.

Diese werden dann in Zusammenhang mit Stress in unterschiedliche Situationen gesetzt, wie etwa bei der Teilnahme an einem Kalorienrestriktionsprogramm (unterschiedlichste Diäten) oder im Arbeitsumfeld. Es wird in weiterer Folge analysiert, wie etwa Stressreduktion diese Parameter beeinflusst. Die Studie wird u.a. im Psychosomatischen Zentrum Waldviertel, im la pura women's health resort kamptal, beide Gars am Kamp, und an der MedUni Wien durchgeführt.

Die Erkenntnisse werden zur Entwicklung von frauen- und männerspezifischen, individualisierten Strategien zu Gewichtsmanagement und Gesunderhaltung (Vorbeugung) unter besonderer Berücksichtigung der höheren Vulnerabilität von Frauen für psychosozialen Stress verwendet. Denn Stressreduktion trägt bei einer Vielzahl von chronischen Krankheiten zu einer Verbesserung sowie zu mehr Lebensqualität bei.

Rehabilitation

2017
„Ist eine genderspezifische Differenzierung bei Patienten nach Hüft- bzw. Knie-Totalendoprothesenoperationen am Beginn der stationären Rehabilitation erforderlich?“
Diese Studie wurde an der Rehaklinik Montafon unter der Leitung von Herrn Univ.-Doz. Dr. Thomas Bochdansky durchgeführt

Die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF)“ der WHO (world health organisation) erlaubt eine weltweit einheitliche Beurteilung der Möglichkeiten und Fähigkeiten von Patientinnen und Patienten in der Rehabilitation. Muskelfunktionen werden international mit dem Timed-up-and-go Test (TUAG) getestet; Schmerzen mittels visueller Analogskala (VAS) beurteilt.

Das Geschlecht einer Person ist eine der fundamentalen persönlichen, „endogenen“ Kontextfaktoren, die im Rahmen des ICF-Modells zu berücksichtigen sind, wenn ein individualisierter Rehabilitationsplan erstellt werden soll. Daneben sind selbstverständlich auch die anderen „Domänen“ wie Körperfunktion und Körperstruktur, Aktivität und Teilhabe / Partizipation sowie „externe“ Kontextfaktoren zu analysieren und zu bewerten.

Ziel unserer Untersuchung war es zu prüfen, ob eine Genderspezifität aus unseren Daten zu ersehen ist, die eine letztlich genderspezifische Rehabilitationsplanung zur Folge hätte. Wir analysierten dabei die routinemäßig erhobenen Daten der Rehabilitationsklinik Montafon.

Die konkrete Fragestellung dazu lautete, in welcher Beziehung der Kontextfaktor „Gender“ bei zwei spezifischen Patientengruppen nach großen Gelenksoperationen (Knie und Hüfte) mit anderen Ergebnissen beim Assessment des Funktions- und Aktivitätsspektrum am Beginn einer stationären Rehabilitation steht.

Dazu wurden im Zeitraum von Mai 2013 bis April 2014 insgesamt 671 Patientinnen und Patienten nach geplantem  Gelenksersatz von Hüfte oder Knie untersucht. Diese unterteilten sich in 385 Knie-Patienten (149 männlich, 236 weiblich) und 286 Hüft-Patienten (145 m, 141w). Die stationäre Rehabilitation begann durchschnittlich drei Wochen postoperativ. Während der ersten beiden Tage des stationären Aufenthaltes wurde der erste WOMAC-Fragebogen vom Patienten ausgefüllt, das Schmerzniveau abgefragt und der erste TUAG durchgeführt.

Ergebnis:

Bei Frauen bestand nach beiden Operationsformen ein deutlich höheres Sturzrisiko als bei Männern.

Daraus folgt: Frauen brauchen in der Rehabilitation mehr Krafttrainingseinheiten und ein intensiveres Balancetraining. Dies ist auch relevant für ein sehr frauenspezifisches Thema wie der Osteoporose als Begleiterkrankung.

 

2017
„Geschlechtsspezifische Aspekte in der Neurorehabilitation nach einem Schlaganfall“

Diese Studie wurde in Kooperation zwischen dem Neurologischen Therapiezentrum Gmunderberg und der Gender Medicine Unit der MedUni Wien unter der Leitung von Prim. Dr. Hermann Moser durchgeführt

Ergebnis:

Im Rahmen eines ersten Kooperationsprojektes vom Neurotherapiezentrum Gmundnerberg der VAMED und der Gender Medicine Unit der Medizinischen Universität Wien, wurde eine retrospektive Datenanalyse mit 1593 PatientInnen, die zwischen 2010 und 2015 eine Rehabilitation im Neurotherapiezentrum Gmundnerberg nach Schlaganfall absolvierten, durchgeführt. Ziel war es, geschlechtsspezifische Aspekte in der Neurorehabilitation zu erkennen und gegebenenfalls die Behandlung geschlechtsspezifisch zu verbessern.

Zusammengefasst ergab die Auswertung signifikant niedrigere Barthel Indizes (Bewertung der alltäglichen Fähigkeiten eines Patienten) bei Frauen bei der Aufnahme, der auch Ursache für ein schlechteres Outcome ist.

Das weibliche Geschlecht hatte Einfluss auf das Vorliegen einer Depression, Schmerzen oder den Barthel Index. Frauen berichten häufiger von Schmerzen und geben subjektiv stärkere Schmerzen bei Aufnahme an. Das Geschlecht per se hatte allerdings keinen Einfluss auf den Rehabilitations-Effekt. Das heißt, Frauen und Männer profitierten gleichermaßen von der Rehabilitation.

Männer leiden bei Aufnahme häufiger an Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Frauen signifikant häufiger an Osteoporose, Depressionen und Schmerzzuständen.

In Bezug auf Risikofaktoren Rauchen und Vorhofflimmern waren keine Unterschiede.

Die Verbesserung des Allgemeinzustandes hing vom Aufnahmezustand, dem Alter, Typ 2 Diabetes und dem Zeitraum bis zum Beginn der Neurorehabilitation  nach Schlaganfall ab.

Daraus ist zu schließen, dass besonders rasch mit der Neurorehabilitation begonnen werden soll und besonders bei Frauen auf das gleichzeitige Vorliegen einer Depression und den Schmerzzustand bzw. eine suffiziente Schmerztherapie geachtet werden muss.

Dieses Projekt wurde bei der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin 2017 vorgestellt und ausgezeichnet.