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Alkohol am Arbeitsplatz

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Alkohol am Arbeitsplatz

Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek

Der Experte und Sprecher Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek ist der ärztliche Leiter des Anton Proksch Instituts, einer Gesundheitseinrichtung der VAMED. Bis heute ist das Thema „Alkohol am Arbeitsplatz“ stark tabuisiert. Sowohl im Umgang mit akut alkoholisierten Mitarbeitern als auch mit manifest erkrankten alkoholabhängigen Personen bedarf es mannigfacher Kompetenzen der verantwortlichen Vorgesetzten und Führungskräfte sowie der unmittelbaren Kollegen. Die Konsequenzen für Betroffene sind oft extrem, entweder wird der Alkoholkonsum bzw. die Alkoholabhängigkeit über Jahre hinweg ignoriert - der betroffene Mitarbeiter gerät im Unternehmen zunehmend ins Abseits - oder es erfolgt allzu rasch die Kündigung oder sogar die Entlassung. Beide Strategien sind aus zahlreichen Gründen, die im Folgenden näher erörtert werden, sowohl für den betroffenen Mitarbeiter als auch für das Unternehmen suboptimal. Für den Umgang mit Suchtmitteln in der Gesellschaft sind kulturelle Einflüsse von zentraler Bedeutung. Abstinenzkulturen, in denen Alkohol untersagt ist, findet man in einigen streng islamischen Ländern. Während sich nordeuropäische Länder derzeit im Übergang von einer Ambivalenzkultur – der Zugang zu Alkohol ist stark eingeschränkt, unter bestimmten Bedingungen jedoch toleriert – befinden, entwickeln sich mitteleuropäische Länder, allen voran Österreich, von einer permissiven Haltung hin zu einer permissiv-funktionsgestörten Kultur, die auch Alkoholexzesse teilweise billigt (ISP, 2015). Im betrieblichen Kontext wird der Umgang mit Alkohol durch die Unternehmenskultur bestimmt. Uhl und Springer (1996) konnten in einer Studie sehr deutlich zeigen, dass der Einfluss des Arbeitsmillieus in Bezug auf Alkohol sogar bis in die Freizeit reicht. Die Autoren der Studie teilten Arbeitsplätze nach den dort existierenden Regeln in Bezug auf den Alkoholkonsum in „alkoholfeindliche“, „neutrale“ und „alkoholfreundliche“ Arbeitsmilieus und untersuchten die Konsumgewohnheiten der dort beschäftigten Arbeitnehmer. Tabelle 1 gibt den Alkoholkonsum in Gramm reinen Alkohols pro Tag je Arbeitsmillieu wieder, wobei 20 Gramm 0,5 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein entsprechen. Da Männer eher in alkoholfreundlichen Branchen beschäftigt sind als Frauen, fallen die Unterschiede im geschlechts- und altersstandardisierten Vergleich allerdings geringer aus als im nicht-standardisierten Vergleich. Mehr erfahren Sie im Podcast: "Alkohol am Arbeitsplatz" oder unter https://www.vamed.com/de/presse-newsr...