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Arbeitssucht

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Arbeitssucht

Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek

Der Experte und Sprecher Prim. Univ.Prof. Dr. Michael Musalek ist der ärztliche Leiter des Anton Proksch Instituts, einer Gesundheitseinrichtung der VAMED. Arbeit nimmt in unserer Gesellschaft und in unserem persönlichen Erleben einen zentralen Stellenwert ein. Sie ist einerseits wirtschaftliche Existenzgrundlage, andererseits die Grundlage für die Selbstwertbildung des Einzelnen und die Anerkennung durch andere. Zudem vermittelt Arbeit soziale Kontakte und strukturiert den Tag. Dennoch gibt es bis heute keine klare Definition des Wortes “Arbeit”. Der Begriff ist sehr weit gefasst und bezeichnet höchst unterschiedliche Aktivitäten. Auch die “Belastbarkeit” der Menschen durch Arbeit lässt sich nicht objektiv festsetzen: Was dem einen schon viel (oder “zu viel”) Arbeit erscheint, ist für den anderen locker zu bewältigen. Geht man also davon aus, dass sich weder “Arbeit”, noch die Höhe eines zumutbaren Arbeitspensums allgemeingültig definieren lassen, wird klar, warum es auch für “Arbeitssucht” keine eindeutige Definition gibt. Es gilt jedoch – wie bei allen Suchterkrankungen: Sucht ist keine Erkrankung für “Schwächlinge”. Nur wer von vorn herein viel verträgt, ist arbeitssuchtgefährdet. Abgrenzung und Definitionsversuch: Was ist Arbeitssucht? Der Psychologe Wayne Edward Oates beschreibt “Workaholism” als “ein exzessives Bedürfnis nach Arbeit, das Beeinträchtigungen in den bereichen der physischen Gesundheit, zwischenmenschlicher Beziehungen, des persönlichen Wohlbefindens und der Erfüllung der sozialen Rollen nach sich zieht.” In Anlehnung an das Wort “Alkoholismus” wird also hier das Exzessive in den Mittelpunkt gerückt. Was aber bedeutet “exzessives Arbeiten”? Was ist ein “normales” Arbeitspensum und ab welchem Zeitpunkt wird es “exzessiv”, “problematisch” oder gar “pathologisch”? Musalek und Zeidler sprechen sich für eine Grenzziehung nach qualitativen statt quantitativen Kriterien aus: Auch sogenanntes “engagiertes Arbeiten” kann exzessive Ausmaße annehmen, es wird aber von den Betroffenen und der Umwelt als positiv und belebend empfunden. Für die Definition von Arbeitssucht gibt daher: “Nicht wie viel jemand arbeitet, ist ausschlaggebend (...), sondern ob er selbstgewählt viel arbeitet (weil er Freude an der Arbeit oder dem damit verbundenen Erfolg hat) oder weil er sich innerlich getrieben zur Arbeit genötigt sieht bzw. dauernd arbeitet, um Unruhe und Spannungszustände zu vermeiden, die sich sofort einstellen, wenn er nicht arbeitet.” Ein Begriff der in Zusammenhang mit Arbeitssucht häufig fällt, ist “Burnout”. Hier ist jedoch anzumerken, dass massive Arbeitsbelastung- bzw. -überlastung nur Teilaspekt eines Burnouts sind. Andere Faktoren sind z.B. Mobbing, unfaire Behandlung am Arbeitsplatz, Wertekonflikte oder Partnerkonflikte.

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