Trainingstherapie in der pneumologischen Rehabilitation

09.09.2016
Atemschule in der Therme Wien Med 2

Leider ist die Annahme, dass Patienten mit Atemnot Anstrengung vermeiden sollten, immer noch weit verbreitet. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Die medizinische Trainingstherapie ist ein wichtiger Teil jeder Rehabilitation – so auch für Patienten mit pneumologischen Erkrankungen.

Trainingstherapie in der Pneumologischen Rehabilitation

Sport im richtigen Ausmaß steigert Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit bei Gesunden, dasselbe gilt für Lungenkranke. Für den Patienten bedeutet das im Alltag bessere Lebensqualität. Sowohl bei gesunden als auch bei lungenkranken Menschen hat eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining die meisten Effekte.

Ausdauertraining

Die körperliche Ausdauer zu steigern, ist das A und O für gesteigerte Lebensqualität. Was für den Lungenkranken vor Beginn der Reha unmöglich erscheint, ist tägliche Routine in der pneumologischen Rehabilitation. Es wird dreimal wöchentlich die Ausdauer trainiert (20 bis 30 Minuten). Steigert sich der Patient im Laufe der Trainingstherapie, wird das Training bis zu maximal 60 Minuten gesteigert. Gut geeignet sind hierfür etwa Gehen am Laufband oder der Fahrradergometer.

Welche Trainingsintensität sich für welchen Patienten am besten eignet, ist unterschiedlich und wird u.a. anhand des Schweregrades der Atemnot beurteilt. Schon regelmäßige körperliche Belastung mit niedriger Intensität (50 - 60 % der maximalen Herzfrequenz bzw. Wattzahl) verringert Atemnot bei COPD-Patienten.

Neue Studien in Form eines Intervalltrainings  (hohe Belastung im Wechsel mit niedriger Belastung) zeigen, dass auch ein Training mit hoher Belastung sehr effektiv und sicher ist. Entscheidend dabei ist jedoch, dass die Pausen zwischen den Übungen eingehalten werden.

Eine anfängliche Überwachung der Sauerstoffsättigung ist bei Ausdauertraining wichtig – auch während des Trainings. Fällt diese während der sportlichen Betätigung auf unter 90 %, so sollte zusätzlich Sauerstoff gegeben werden.

Krafttraining

Zusätzlich zum Ausdauertraining ist Krafttraining ein Teil der pneumologischen Rehabilitation. Der Aufbau von Muskeln ist für Lungenpatienten in vielerlei Hinsicht essenziell. Atemnot hat meist Bewegungsmangel zur Folge. Die daraus entstandene Muskelschwäche wird mit Krafttraining rückgängig gemacht, Rücken , Halteapparat und Atemhilfsmuskulatur werden wieder gestärkt. Dadurch wird die Haltung aufrechter – und mit gerader Körperhaltung fällt auch das Atmen leichter, da die Lunge sich beim Einatmen besser ausdehnen kann.

Zu den Ausdauertrainings sollten daher 2 – 3 Mal pro Woche Krafttraining betrieben werden. Der Trainingstherapeut schult den Patienten ein und erklärt die adäquate Atemtechnik. Dabei sollten sechs bis zehn Muskelpartien trainiert werden. Pro Muskelgruppe werden 8 - 12 Ausführungen empfohlen, die in 1 - 3 Sätzen wiederholt werden. Sobald der Patient die Übungen ohne große körperliche Anstrengung bewältigt, kann das Gewicht gesteigert werden.

Atemmuskeltraining

Die Lunge benötigt zur Belüftung Muskel – und auch diese können trainiert werden. Nicht nur Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen profitieren vom Atemmuskeltraining – auch Sportler profitieren. Denn Atemmuskeltraining lindert die Atemnot und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit.

Praktiziert wird hier vor allem das inspiratorische Muskeltraining (kurz: IMT) – das bedeutet, dass jene Muskulatur trainiert wird, die beim Einatmen aktiv ist. Das Ausatmen erfolgt meist passiv. Hierfür gibt es mehrere Methoden:

  • Resistive Load: Hierbei wird über ein Gerät eingeatmet, das durch eine verengte Öffnung Widerstand erzeugt. Die Lunge muss also mehr Kraft aufwenden, um sich tatsächlich mit Luft zu füllen. Es sollte mit mindestens 30 % der maximal möglichen Kraft eingeatmet werden.
  • Threshold Load: Die Ausgangssituation ist ähnlich wie bei Resistive Load, allerdings wird hier während dem Einatmen ein Widerstand aufgebaut, der bis zu einer vorher bestimmten Schwelle steigt. Ab dieser Schwelle bleibt der Widerstand gleich.
  • Normokapnische Hyperpnoe: Eine Übung, bei der schnell ein- und ausgeatmet wird. Ein ausgeklügeltes System an Rückatmung verhindert, dass der Patient hyperventiliert.

Mithilfe dieser speziellen Geräte können sowohl Kraft, als auch Ausdauer der Lunge gesteigert werden. Bei regelmäßigem Training kann die Atemnot bei Belastung verringert und die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich gesteigert werden. Es ist also das Zusammenspiel der verschiedenen Formen der medizinischen Trainingstherapie, die zu einer eindrucksvollen objektiven und subjektiven Verbesserung führen.

 

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Autor

Dr. Ralf Harun Zwick Therme Wien Med - Ambulante Pneumologische Rehabilitation

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