Pneumologische Rehabilitation in Österreich

09.09.2016
Pneumologische Rehabilitation in der Reha Enns 1

Wird ein Medikament frühzeitig abgesetzt, verliert es an Wirkung – der Zustand des Patienten verschlechtert sich. Ähnlich verläuft es bei chronisch Lungenkranken, die Ihre Lunge trainieren, ab: Wird nach einer stationären Reha etwa das Training abgebrochen, so kommt es zu einer Verschlechterung in vielerlei Hinsicht – der mühevoll erarbeitete, positive Effekt verpufft. Deshalb ist bei Lungenerkrankungen eine ganzheitliche, individuelle und vor allem kontinuierliche Rehabilitation und Therapie wichtig.

Woraus besteht eine Pneumologische Rehabilitation?

Die Pneumologische Rehabilitation verknüpft Elemente des allgemeinen körperlichen Trainings mit speziell auf die Lunge ausgerichteten Programmpunkten. Dazu gehören:

  • Medizinische Trainingstherapie (Kraft, Ausdauer)
  • Inspiratorisches Atemmuskeltraining (Respiratorische Physiotherapie)
  • Tabakentwöhnung
  • Physiotherapie
  • Ernährungsberatung
  • Psychologische Betreuung
  • Patientenschulungen (für die Zeit nach der Reha)
  • Regelmäßigen Untersuchungen des körperlichen Zustands und der Lungenfunktion 

Wann brauche ich eine Pneumologische Rehabilitation?

Eine Pneumologische Rehabilitation ist dann sinnvoll, wenn eine akute oder chronische Lungenerkrankung die Funktionsfähigkeit der Lunge eingeschränkt hat und zu Atemnot führt. Diese kann plötzlich oder schleichend auftreten. Typische Indikationen für eine Pneumologische Reha sind:

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD, „Raucherlunge“)
  • Asthma Bronchiale
  • Chronische Bronchitis
  • Interstitielle Lungenerkrankungen (z.B. Lungenfibrose, Sarkoidose, Mukoviszidose)
  • Lungenkrebs
  • Lungenembolie
  • Schlafassoziierte Störungen
  • Pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck)
  • Lungentransplantationen (davor und danach)

Wann tatsächliche eine Pneumologische Rehabilitation sinnvoll für den Patienten ist, entscheidet letztendlich der behandelnde Arzt, der einen Antrag an die zuständige Pensionsversicherungsanstalt stellt.

Wie ist eine Pneumologische Rehabilitation aufgebaut? 

In Österreich gibt es entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein 4-Phasen-System bei der Lungenrehabilitation. Einzigartig ist jedoch, dass ein großer Teil dieses Programms auch ambulant absolviert werden kann. Das ermöglicht Patienten nicht nur, trotz Reha zuhause bei der Familie zu sein, sondern auch zur Arbeit zu gehen, sofern es der Gesundheitszustand erlaubt.

Bei Phase I handelt es sich um die Rehabilitation im Akutspital. Hier werden etwa nach einer Operation oder einer anfallsartigen Verschlechterung der COPD erste Schritte gesetzt. Das, was wir gemeinhin unter „Rehabilitation“ verstehen, erfolgt in Phase II. Diese kann stationär 3-4 Wochen oder ambulant 6 Wochen dauern. Danach hat der Patient die Möglichkeit, in Phase III ambulant weiterbehandelt zu werden. Phase III dauert in der Regel 6-12 Monate, je nach Gesundheitszustand des Patienten.

Früher war die Rehabilitation nach Phase III beendet und der Patient ab diesem Zeitpunkt auf sich allein gestellt. Eine häufige Folge: Übungen wurden zunehmend vernachlässigt, die Lungenfunktion verschlechterte sich wieder. Heute gibt es die Möglichkeit, in Phase IV eine „Erhaltungstherapie“ zu machen, um Kurzatmigkeit und Leistungsfähigkeit mit professioneller Hilfe weiterhin aufrecht zu erhalten. Angebote der Phase IV sind dank Partnern wie der Sportunion oder Fitnesscentern wie in der Therme Wien Fitness mit geschultem Personal einfach und unbürokratisch für den Patienten zugänglich. Diese Art der langfristigen Rehabilitation hat sich international als besonders nachhaltig erwiesen und hilft Patienten, ein gesundes Verhalten anzulernen, das ihnen längerfristig Lebensqualität sichert.

Was ist besser – ambulant oder stationär?

Sowohl eine stationäre, als auch ambulante Rehabilitation haben Vor- und Nachteile. Während ein stationärer Aufenthalt in einer Reha-Einrichtung Ruhe, ein stressfreies Umfeld, optimale Betreuung und beste medizinische Versorgung garantiert, fühlen sich viele Menschen in den eigenen vier Wänden trotzdem am Wohlsten. Wer etwa kleine Kinder hat oder selbstständig tätig ist und somit ein Verdienstentfall drohen würde, bevorzugt oft eine ambulante Behandlung.

Hier gilt es, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abzuwägen, welche Form sich am besten für einen eignet.

Wie hilft mir eine Pneumologische Rehabilitation?

Heute es gibt es zahlreiche Studien, die die positive Wirkung eines lungenspezifischen Rehabilitationsprogramms bestätigen. Als gesichert gilt etwa, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert, die Atemnot verringert wird, die Lebensqualität wieder steigt und durch diese Verbesserungen seltener Krankenhausaufenthalte notwendig werden. Nach akuter Verschlechterung und Krankenhausaufenthalt bei Patienten mit COPD konnte sogar gezeigt werden, dass die Sterblichkeit nach Pneumologischer Rehabilitation sinkt. Ein weiteres Plus: Die Rehabilitation gibt Patienten Sicherheit und nimmt ihnen die Angst vor der eigenen Erkrankung – das macht sich auch in der abnehmenden Rate an Depressionen und Angstzuständen unter COPD-Patienten bemerkbar.

 

Diese Artikel könnte Sie auch interessieren:

+ Der Artikel "Pneumologische Rehabilitation in Österreich" zum "Nachhören" - Podcast!
+ "Asthma, COPD, was ist das?" - von Dr. Ralf Harun Zwick
+ "Trainingstherapie in der pneumologischen Rehabilitation" - von Dr. Ralf Harun Zwick
+ "Muskelentspannung bei Wachkomapatienten in der Hängematte" - Mag. Barbara Seidel, BSc
+ "Das Orpheus Programm" - von Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek

 

Autor

Dr. Ralf Harun Zwick Therme Wien Med - Ambulante Pneumologische Rehabilitation

Kurbadstraße 14 1100 Wien
E-Mail

Pressebilder

Pneumologische Rehabilitation in der Reha Enns 1

Pneumologische Reha in Enns

Pneumologische Rehabilitation in der Reha Enns 2

Pneumologische Rehabilitation in Enns