Rehabilitation bei M. Parkinson

24.09.2016
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Rehabilitationsmaßnahmen bei M. Parkinson stellen eine wichtige Ergänzung zur medikamentösen Therapie dar.

Parkinson ist die zweithäufigste degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Inzidenz liegt bei ca. 100 bis 150 pro 100.000 Einwohner. In Österreich sind demnach rund 12.000 Patienten betroffen. Von den über 80-Jährigen erkranken 2 bis 3 % der Bevölkerung. Rehabilitationsmaßnahmen bei M. Parkinson stellen eine wichtige Ergänzung zur medikamentösen Therapie dar. Die häufigsten Rehabilitationsziele in der Neurorehabilitation sind: Verbesserung des Gangs, des Gleichgewichts, der Kraft und Ausdauer, der Stimme, der Feinmotorik sowie Tremorreduktion. Weiters stehen Optimierung der medikamentösen Therapie, Behandlung autonomer Symptome wie Orthostase, schwankende oder sehr niedrige RR-Werte, Obstipation oder Blasenstörung im Vordergrund.

Gesamtes Personal geschult

Das Neurologische Therapiezentrum Gmundnerberg hat sich seit seiner Eröffnung im Jahre 2010 auf die Rehabilitation der Parkinsonerkrankung spezialisiert. Hier wird mit einem in den USA entwickelten, bewegungstherapeutischen und logopädischen Konzept für Parkinson-Erkrankte gearbeitet. Das sogenannte LSVT© – Lee Silverman Voice Treatment – Therapieprogramm beinhaltet Bewegungs- und Stimmübungen, die nach dem Reha-Aufenthalt auch leicht in den Alltag integriert werden können. Das Programm ist in den USA durchaus bekannt, in Europa zählt die VAMED zu jenen Einrichtungen, die mit 75 Teilnehmern nicht nur die größte Schulung auf diesem Gebiet durchgeführt hat, sondern auch das gesamte Personal im Neurologischen Therapiezentrum Gmundnerberg für den Einsatz des Therapieprogrammes ausgebildet und zertifiziert hat.

Beim Bewegungskonzept LSVT BIG© werden standardisierte Bewegungsübungen zur Verbesserung von Geschwindigkeit und Bewegungsausmaß bei Patienten mit parkinsontypischen Bewegungsstörungen durchgeführt. Das Training findet im Sitzen, Stehen, beim Gehen und bei für den Patienten relevanten alltäglichen Handlungen statt. Das Training beinhaltet 16 Behandlungseinheiten über vier Wochen, ein individuelles Training im Einzelsetting für eine Stunde, ein tägliches Hausübungsprogramm und tägliche Alltagsübungen. In Studien konnten folgende Verbesserungen bei Patienten mit Parkinson festgestellt werden(1):

  • Schnelleres Gehen mit größeren Schritten
  • Verbessertes Gleichgewicht
  • Bessere Mobilität des Oberkörpers
  • Verbesserungen bei Tätigkeiten im Alltag, zum Beispiel bei der Körperpflege oder im Haushalt

Das Stimmkonzept LSVT LOUD© verbessert sowohl die Stimme als auch das Sprechen bei Menschen mit Parkinson-Erkrankung, indem die physikalische Pathologie, welche der Stimmstörung zugrunde liegt, behandelt wird. Die Behandlung ist darauf fokussiert, die Stimmlautstärke und die direkte Übertragung in die Alltagskommunikation zu verbessern. In einem Vorher-Nachher-Vergleich verbessert der Großteil der Patienten die Stimmlautstärke, zudem berichten alle Patienten über eine Verbesserung ihrer Kommunikationsfähigkeiten.

Welche Patienten sind für das LSVT© Programm geeignet?

Nach bisherigen Erkenntnissen ist LSVT BIG® besonders für Patienten in frühen und mittleren Krankheitsstadien geeignet. Durch eine frühzeitig im Krankheitsverlauf einsetzende Behandlung mit der LSVT BIG®-Methode soll das Fortschreiten der Bewegungseinschränkung verzögert werden. Lebensqualität und Selbstständigkeit sollen so lange wie möglich erhalten bleiben.

Literatur

(1) Fox et al (2012). LSVT LOUD and LSVT BIG: Behavioral treatment programs for speech and body movement in Parkinson disease. Parkinson’s Disease, 2012, Article ID 391946, 12pgs.

 

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AUTOR

Prim. Dr. Hermann Moser Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Gmundnerberg 82 4813 Altmünster
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