ICF - Individuelle Systeme für die Rehabilitation

10.09.2016
VAMED Rehabilitation Kletterwand

Welche Art von Rehabilitation braucht ein Patient? Welcher Behinderungsgrad wird ihm zuerkannt? Und welchen Pflegebedarf hat ein Mensch in Hinsicht auf die Pflegestufe? Damit solche Fragen fair und transparent entschieden werden können, gibt es die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (kurz ICF). Sie hilft dabei, den funktionalen Gesundheitszustand des Patienten und die damit einhergehende, soziale Beeinträchtigung zu beschreiben.

Auch wenn zwei Menschen an derselben körperlichen Einschränkung oder derselben Erkrankung leiden, können unterschiedliche Umstände den einen mehr behindern als den anderen. Um jedem Patienten das individuell benötigte Rehabilitationsprogramm bieten zu können, wird in der VAMED-Gruppe die ICF angewendet. Das Ziel: ein personalisiertes und optimiertes Rehabilitationsprogramm zu erstellen.

"International Classification of Functioning, Disability and Health" (ICF)

Den Wunsch, Krankheit und Ursache systematisch einzuteilen, gibt es bereits seit dem 18. Jahrhundert. Besonders in den letzten Jahrzehnten ist eine einheitliche Systematik unverzichtbar geworden: Die Lebenserwartung nimmt zu – und damit auch die Zahl chronischer Erkrankungen und der Bedarf an Rehabilitation. Auch die Versorgung von Menschen mit bleibenden Beeinträchtigungen ist heute wichtig wie noch nie – sei es in Bezug auf Gesundheit, Mobilität, Kommunikation, Erwerbstätigkeit, aber auch in Hinblick auf Selbstbestimmtheit und Teilnahme an der Gesellschaft.  All diese Dinge fließen in die Klassifizierung der ICF ein.

Der Vorteil der ICF zu früheren Modellen: Sie ist nicht defizit-, sondern ressourcenorientiert und kann auf alle Menschen (mit und ohne Behinderung) ganz objektiv bezogen werden. Das macht sie nicht nur praktikabler, sondern auch fortschrittlicher in ihrem Gedankenkonzept: weg von „Was kannst du nicht?“ und hin zu „Was brauchst du?“.

Die Analyse der Ursachen einer Gesundheitsstörung ist wichtig in der „Akutmedizin“, in der „Rehabilitation wird der Einfluss auf die Lebensbedingungen des Menschen in den Mittelpunkt gestellt.

Die ICF kann auf individueller Ebene, institutionelle Ebene und sozialer Ebene eingesetzt werden. Sie beruht auf einem mehrachsigen Modell, da sie die bio-psycho-soziale Aspekte einbezieht.

 

 

Wie wird die ICF angewandt? 

Ein vereinfachtes Beispiel: Patient A: 50 Jahre, immobil durch halbseitige Lähmung nach Schlaganfall Patient B: 70 Jahre, immobil durch Einsetzen von künstlichem Hüftgelenk Bei beiden Patienten ist das Hauptproblem eine Mobilitätsstörung. Ein gemeinsames Rehabilitationsziel ist daher die Verbesserung der Gehfähigkeit. Allerdings ist das nicht der einzige Aspekt, der beachtet werden muss. Wie sind die Lebensumstände der beiden Personen? Leben sie in einer Stadt oder am Land? Gibt es Treppen im Alltag, die selbständig überwunden werden müssen? Sind Verwandte oder Freunde da, die behilflich sein können? Und was braucht der Patient, um möglichst selbstständig zu leben?

Lebt Patient A etwa alleine im 5. Stock eines Wohnhauses ohne Freunde oder Familie in der Nähe, so wird der Rehabilitationsplan eventuell anders aussehen, als bei Patient B, der mit seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern in einem barrierefreien Haus wohnt.

Es geht also primär um das individuelle Stecken von Rehabilitationszielen und die Entwicklung eines Plans, wie diese erreicht werden können. Auch zur Evaluierung dieser Prozesse im Nachhinein kann die ICF genutzt werden. Damit lässt sich die Qualität eines Rehabilitationsprogramms messen und laufend verbessern.

Die Rehabilitationseinrichtungen der VAMED setzen die Systematik der ICF in Österreich, der Schweiz und Tschechien auf allen diesen beschriebenen Ebenen ein. Das primäre Ziel ist ein individualisiertes und optimiertes Rehabilitationsprogramm zu erstellen – bei gleichzeitiger ökonomischer Optimierung. Dazu erarbeiten die Experten der verschiedenen Fachgebiete, die in der VAMED-Gruppe zusammengeschlossen sind, koordinierte Programme. Darüber hinaus sollen auch Daten gewonnen werden, die neben der individuellen Ebene, auch auf der institutionellen Ebene und in weiterer Folge auch auf einer sozialen Ebene eine optimierte Entwicklung ermöglichen.

 

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AUTOR

Univ. Doz. Dr. Thomas Bochdansky vorm. VAMED - Chief Medical Director

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