Gangrehabilitation bei Multipler Sklerose

Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg | Ganganalyse | © Artmayr

Aus diversen Untersuchungen wissen wir, dass Gangstörungen bei Multipler Sklerose (MS) häufig sind, insbesondere bei primär chronisch progredienter Verlaufsform bestehen bereits in der Frühphase Gangstörungen.

Es ist bekannt, dass die körperliche Aktivität bei MS-Patienten reduziert ist, und es auch zur Abnahme der Kondition kommt. Dies hat negative Auswirkungen auf verschiedene Alltagsaktivitäten, Sozialkontakte und Lebensqualität. Weiters besteht bei Gangstörungen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen (Stürze, Osteoporose).

Der Trainingsplan sollte sowohl Kraft als auch Ausdauertraining enthalten, da Beeinträchtigungen nicht nur in der Muskelkraft, sondern auch bei cardiovaskulär bezogenen Parametern nachweisbar sind. Eine wichtige Information ist, dass eventuell trainingsinduziertes Aufflackern vorhandener neurologischer Symptome auftreten kann.

In der Regel sollte der ganze Körper mit vier bis acht Übungen pro Trainingseinheit trainiert werden. Das Training der unteren Extremitäten sollte für MS-Patienten höhere Priorität haben, da das Ausmaß des Kraftdefizits in den Beinen erwiesener Maßen einen größeren Stellenwert als in den Armen hat.

Für schwerer betroffene Patienten kommt Laufbandtraining eventuell mit Gewichtsentlastung zur Anwendung. Aus unseren eigenen Erfahrungen geht hervor, dass vor allem junge Patienten/Patientinnen häufig sehr motiviert innerhalb der ersten sieben bis zehn Tage trainieren, danach kann es allerdings zu einer beträchtlichen Zunahme der Fatigue-Symptomatik (Ermüdungserscheinungen) kommen. Die Ruhepausen müssen unbedingt eingehalten werden, ebenso ist eine längere Mittagspause zur Erholung notwendig.

Weiters zeigte sich, dass von vielen Patienten die Anwendung einer Kälteweste vor der Therapie als angenehm empfunden wird.

Von medizinischer bzw. medikamentöser Seite her ist auf Spastik in den unteren Extremitäten Rücksicht zu nehmen, und eventuell eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Insgesamt können wir auf sehr gute Erfolge in unserer Einrichtung verweisen, was Gangstörungen durch Multiple Sklerose betrifft.                                   

Autor Prim. Dr. Hermann Moser – Facharzt für Neurologie und Geriatrie - ist ärztlicher Leiter des Neurologischen Therapiezentrums Gmundnerberg, eine Gesundheitseinrichtung der VAMED.

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Prim. Dr. Hermann Moser Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Gmundnerberg 82 4813 Altmünster
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