Neurorehabilitation in Wien

09.02.2017
Ganganalyse Reha Wien Baumgarten

Der Bedarf an Rehabilitationseinrichtungen für Patientinnen nach neurologischen Erkrankungen in Wien ist in den letzten Jahren vor allem aus 2 Gründen gestiegen:

  1. Durch viele Neuentwicklungen im Bereich der Diagnostik und der medikamentösen Therapie, hat die Akutneurologie in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Daraus resultiert eine größere Gruppe von Patienten die von einer spezifischen neurologischen Rehabilitation profitiert.
  2. Der Anteil der Bevölkerung über dem 50. Lebensjahr stieg in den letzten Jahren deutlich an. Dies führt zu einer Zunahme an neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Schlaganfall oder Bewegungsstörungen. Gleichzeitig kann seit dem Jahr 1960 eine Abnahme der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer im Spital, von 25 auf 8 Tage beobachtet werden1. Die wichtige Frühphase des Rehabilitationsprozesses muss daher extern durchgeführt werden.

1 Statistik Austria. Spitalsentlassungen und Aufenthaltsdauer 1960-2015

2 Winstein et al. Guidelines for adult stroke rehabilitation and recovery. A guideline for healthcare professinals from the American Heart association/American Stroke association. Stroke 2016;47:e98-e169

3 Lauzé et al.. The effects of physical activity in Parkinson´s disease: a review. Journal of Parkinson´s Disease 6 (2016) 685-698

4 Fakolade et al.. Effect of comorbidities on outcomes of neurorehabilitation interventions in multiple sclerosis. Int J MS Care.2016;18:282-290 

Laut Statistik Austria waren, im Jahr 2015, 31.644 Patienten mit neurologischen Erkrankungen (G00-G99) bzw. zerebrovaskulären Erkrankungen (I60-I69) in Wiener Spitälern stationär aufgenommen. Unter diesen Aufnahmen waren ca. 8.400 Patienten mit der ICD-Codierung I60-I69 (Zerebrovaskuläre Erkrankung). Geht man von Angaben in der Literatur aus, so haben von diesen Patienten 5.600 ein neurologisches Defizit welches einer neurorehabilitativen Intervention bedarf2. Auch bei anderen neurologischen Erkrankungen wie bei z. B. Morbus Parkinson und Multipler Sklerose ist die Notwendigkeit einer rehabilitativen Behandlung nachgewiesen3,4.

Die VAMED hat sich mit ihren Reha Einrichtungen nicht nur bestmöglicher Betreuung und Therapie auf höchstem Niveau verpflichtet, sondern ist auch führend bei Innovationen und der Entwicklung von neuen Ansätzen in den unterschiedlichen Bereichen der Rehabilitation. VAMED betreibt 15 Rehabilitationskliniken (12 in Österreich, 2 in der Schweiz und 1 in Tschechien) und ist somit einer der führenden privaten Reha-Anbieter. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf der Neurologie, denn mit der Aufnahme des Patientenbetriebes der neurologischen Abteilung in der Reha Wien Baumgarten beschäftigen sich bereits 8 VAMED Rehabilitationseinrichtungen mit neurologischer Rehabilitation.

Aus diesem Grund ist es eine logische Entwicklung, ein neues Neurologisches Therapiezentrum für die Phase C und D am Standort Wien Baumgarten zu eröffnen. Hier wird nach den ICF Kriterien ein individuelles Therapiekonzept erstellt. Dieses beinhaltet die Erfassung der Erkrankung und der Krankheitsfolgen als auch die Persönlichkeit des Erkrankten. Vor diesem Hintergrund haben die gesetzten Maßnahmen das Ziel eine Wiederherstellung oder Besserung der beeinträchtigten Funktionen zu erreichen. Dies geschieht im Hinblick auf eine Wiedereingliederung in das Leben vor der Erkrankung. Zu diesem Punkt zählt auch das Einbeziehen der Angehörigen in den Rehabilitationsprozess. Eine neurologische Erkrankung ist nicht nur die Erkrankung eines einzelnen Menschen, sondern hat auch Einfluss auf sein familiäres Umfeld. Die Betreuung der Angehörigen erfolgt über Beratungsgespräche und regelmäßige Informationen über den Therapieverlauf. Hier kommt uns der Standort in Wien zu Gute. Er ermöglicht eine neurologische Rehabilitation durchzuführen, ohne die Patienten weit aus ihrem gewohnten familiären Umfeld zu entfernen.

Zur Therapie der Patienten stehen neben den etablierten Rehabilitationstherapien auch moderne Konzepte wie Therapieroboter, computergestützte kognitive Therapien sowie neuromodulierende Techniken zu Verfügung.

Wichtig ist das interdisziplinäre Vorgehen. Dies beginnt bei der Aufnahme und setzt sich über den Aufenthalt bis zur Entlassung fort. Alle Berufsgruppen die mit dem Patienten arbeiten, sind hier eingebunden. Durch dieses Vorgehen kann ein ganzheitlicher Ansatz gewährleistet werden und auf die Individualität des Patienten eingegangen werden. Die Therapie ist daher in Therapiebausteine gegliedert. Die in der Befundung erhoben Hauptprobleme des Patienten werden definiert. In weiter Folge können nun die involvierten Berufsgruppen mit unterschiedlichen berufsspezifischen Ansätzen an dem definierten Defizienten arbeiten.

Folgende Therapiebausteine stehen zu Verfügung:

In der Motorischen Therapie wird im Team von Physiotherapeuten und Ergotherapeuten am Training funktioneller Bewegungsabläufe und an der Förderung alltagsrelevanter Kompetenzen gearbeitet. Je nach der Beeinträchtigung wird als Basis zuerst mit der Anbahnung von Bewegungen begonnen. Im klinischen Verlauf wird unter anderem eine „Forced-Use-Therapie“ zur Förderung des verstärkten Einsatzes der betroffenen Region etabliert. In weiter Folge wird an der Verfeinerung der Bewegungsabläufe gearbeitet. Die Umsetzung erfolgt sowohl in Einzel- als auch in Gruppentherapien. Zusätzlich werden computergestützte Therapien (SilverFit®, Amadeo®) eingesetzt.

In der Sprach- und Sprechtherapie kommt es zu einer Zusammenarbeit von Logopädie und Physiotherapie. Diese Zusammenarbeit ermöglicht, dass nicht nur an der „Stimme“ per se, sondern an den notwendigen Fähigkeiten, um überhaupt Stimme zu produzieren gearbeitet wird. Auch hier wird sowohl in Einzel- als auch Gruppentherapien gearbeitet. Das Ziel ist die Wiederherstellung der Kommunikationsfähigkeit und damit die Verbesserung der Selbstständigkeit im täglichen Leben.

Auch in der Schlucktherapie wird der Patient gemeinsam von Logopädie und Physiotherapie behandelt. Zusätzlich kommt es in diesem Bereich zu einer Zusammenarbeit mit der Diätologie und dem ärztlichen Bereich. Im Mittelpunkt steht das sicher Essen und Trinken. Eine Abklärung einer möglichen Schluckstörung kann vor Ort durch eine videoendoskopische Schluckuntersuchung (FEES – functional evaluation of swallowing) erfolgen. Bei einem pathologischen Befund wird die Kostform durch die Diätologie angepasst. Der Befund hilft sowohl die Problematik zu erkennen, als auch die Wirksamkeit der logopädischen Intervention zu beurteilen. Ziel ist es die Nahrungszufuhr komplikationslos zu gestalten und damit Sekundärkomplikationen zu vermeiden.

Die kognitive Therapie gliedert sich in eine detaillierte Diagnostik und eine daran anschließende Therapie. Wichtig ist das Zusammenspiel von Neuropsychologie und Ergotherapie im Bereich Testung und Training. Eine weitere involvierte Berufsgruppe ist die Pflege, die bei der Umsetzung des Gelernten im Alltag begleitend mitwirkt. Durch dieses System, mit permanenter Rückmeldung, kann das Therapieprogramm rasch und individuell den klinischen Verlauf angepasst werden. Unter anderem werden hier Probleme im Bereich der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der Planung behandelt. Es wird sowohl in 3 Einzel- als auch Gruppentherapie gearbeitet. Zusätzlich werden computergestützte Verfahren in die Behandlung eingeschlossen.

Wie im letzten Punkt erwähnt ist es wichtig, dass die erlernten Fähigkeiten im Alltag angewendet werden. Hier ist es wichtig, dass das Pflegepersonal die Umsetzung des Gelernten im Alltag überwacht und bei Problemen unterstützend eingreift.

Durch das wechselseitige Zusammenspiel aller Berufsgruppen bietet dieses Konzept die Möglichkeit das Erlernte nicht nur in der Trainingssituation abzurufen, sondern auch im Alltag zu verwenden. Dadurch kann die Therapie effizienter zum Erlernen einer im Alltag zu verwendenden Funktion eingesetzt werden.

In Wien betreibt die VAMED 2 Rehabilitationszentren mit neurologischen Abteilungen - das Neurologische Rehabilitationszentrum Rosenhügel und die Rehaklinik Wien Baumgarten.

AUTOR

Prim. Dr. Christoph Stepan Rehaklinik Wien Baumgarten

Reizenpfenninggasse 1 1140 Wien
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